Gefahrenabwehrplan - Stadt Herne


Teil B - Gefahrenabwehr - Führungsorganisation der nichtpolizeilichen Gefahrenabwehr
Gefahrenabwehrplan - Stadt Herne
Risikobetrachtung des Stadtgebietes

Für die grundsätzliche Beurteilung des Stadtgebietes wird folgende Gliederung durchgeführt:

Verkehrswege:
Das Stadtgebiet wird von den Bundesautobahnen A 42 und A 43 durchquert. Die Gesamtlänge der Autobahnen beträgt 14,8 km. Insgesamt erstreckt sich das Straßennetz in Herne über 380,8 km.
Ebenfalls durchzieht ein umfangreiches Schienennetz der Bahn AG das Stadtgebiet. Diesem sind die Wanne-Herner-Eisenbahn und später auch das Verkehrszentrum auf dem Gelände des ehemaligen Westhafens angeschlossen.
Der Rhein-Herne-Kanal erstreckt sich über eine Länge von 10,1 km von Osten zum Westen über das nördliche Stadtgebiet. Zu ihm gehören zwei Schleusenanlagen und sechs Verladeeinrichtungen.

Wohnen:
Parallel zur Bevölkerungsdichte befindet sich im Stadtgebiet eine sehr enge Bebauung. Sie erstreckt sich nicht über eine große Zahl von hohen Gebäuden, sondern besteht vorwiegend aus einer geschlossenen Bebauung mit 3-4 geschossiger Bauweise. Fast ausschließlich muss der zweite Rettungsweg über eine Kraftfahrdrehleiter der Feuerwehr gewährleistet sein. Dieses wird bei der brandschutztechnischen Beurteilung durch den Vorbeugenden Brandschutz im Baugenehmigungsverfahren so berücksichtigt. Der Innenminister des Landes NRW hat in der Verfügung vom 04.08.1997 in Verbindung mit dem Runderlass vom 11.03.1997 noch einmal ausdrücklich darauf hingewiesen. Ein entsprechender Erlass der Bezirksregierung erforderte eine Datenerhebung zur Ermittlung der ortspezifischen Daten in Bezug der zeitlichen Erreichbarkeit von Gebäuden mit Kraftfahrdrehleitern.

Logieren
Hotels, Pensionen, Übergangsheime für asylbegehrende Ausländer sowie Unterbringungen für Ausländer und Emigranten, die als einsatzrelevante Objekte einzustufen sind, befinden sich im Stadtgebiet. In ihnen halten sich ständig eine Vielzahl nicht ortskundiger Personen auf. Über die genaue Belegung der Asylbewerberunterkünfte wird die Feuerwehr ständig informiert. Grundsätzlich werden diese Gebäude aus brandschutztechnischer Sicht als kritisch eingestuft, weil im Einsatzfall jeweils eine große Zahl Personen gefährdet sind.

Büro
Hierzu gehören öffentliche Verwaltungsgebäude und Bibliotheken. In diesen Gebäuden befindet sich eine erhöhte Anzahl Personen, die über eine gute Ortskunde verfügen. Es gehören Objekte der Stadt, des Landes oder des Bundes zu diesem Bereich.

Schulen
Im Stadtgebiet finden sich eine Vielzahl von Schulen. Auch hier ist möglicherweise eine größere Zahl Personen gefährdet.

Gesundheit / Pflege
Zur Aufrechterhaltung der Gesundheit gibt es in Herne Krankenhäuser und Altenheime.

Industrie
Durch den Strukturwandel hat sich die hiesige Industrie verändert. Auf den Flächen, auf denen früher der Steinkohlenbergbau angesiedelt war, befinden sich heute Industriegebiete mit Mittel- und Kleinbetrieben unterschiedlicher Art, Nutzung und verschiedener Risiken. Kritische Objekte sind mit Brandmeldeanlagen ausgestattet. Im Gegensatz zu den großen Betrieben, bei denen sicherheitstechnische Vorkehrungen durch weitere Auflagen erfüllt werden müssen, sind in den Kleinbetrieben keine weiteren Sicherheitseinrichtungen vorgeschrieben.
Außerdem wird bei den chemischen Betrieben Sasol und Degussa-Hüls mit der Feuerwehr eine gemeinsame Alarmplanung durchgeführt. Die Betriebe Sasol und Degussa-Hüls verfügen über eine anerkannte Werkfeuerwehr.

Begegnung
Hierzu gehören Objekte wie z.B. das Kulturzentrum, der Saalbau sowie Warenhäuser, Geschäfte, Sport- und Spielhallen und Diskotheken.

Veranstaltungen
Veranstaltungen, bei denen eine erhöhte Brandgefahr besteht und bei Ausbruch eines Brandes eine große Anzahl von Personen gefährdet ist, sind der Gemeinde gemäß §7 FSHG anzuzeigen. Die Gemeinde entscheidet darüber, ob eine Brandsicherheitswache erforderlich ist.
Eine Veranstaltung dieser Art ist die Cranger Kirmes. Darüber hinaus fordern Großveranstaltungen in Sport- oder Versammlungsstätten Brandsicherheitswachen und einsatztaktische Planungen.

Durchgangsverkehr
Gemäß § 2 FSHG kann die Bezirksregierung den öffentlichen Feuerwehren zusätzliche Einsatzabschnitte auf Autobahnen, autobahnähnlichen Straßen sowie Wasserstraßen und Eisenbahnstrecken zuweisen.
Als Bundesautobahnen (BAB) durchqueren die A 42 und A 43 das Stadtgebiet. Sie stellen wichtige West - Ost und Nord - Süd - Verbindungen dar. Täglich befahren eine hohe Zahl Fahrzeuge mit unterschiedlicher Beladung diese Autobahnen. Hiervon geht ein großes Gefahrenpotential aus. Dementsprechend wurden von der Bezirksregierung der Feuerwehr Herne Einsatzabschnitte zugewiesen.

Neben der BAB befindet sich auf dem Stadtgebiet ein umfangreiches Schienennetz.
Inhaber dieser Strecken sind die Deutsche Bahn AG und die Wanne-Herner-Eisenbahn.

Vom Grundsatz sollen die Eisenbahnstrecken nach dem FSHG wie Autobahnen behandelt werden. Aus § 24 FSHG ergibt sich, dass es sich bei Eisenbahnbetrieben um Anlagen oder Einrichtungen handelt, von denen besondere Gefahren ausgehen. Hieraus ergeht die Verpflichtung des Betreibers, in ausreichendem Umfang Vorkehrungen für den Brandschutz und die spezielle technische Hilfe an Bahnstrecken zu treffen. Eine gemeinsame Einsatzplanung mit der Bahn AG gestaltet sich durch die Trennung in verschiedene Geschäftsbereiche (Linie, Netz und Cargo) schwierig, insofern kann das Risiko "Eisenbahn" nicht abschließend beurteilt werden. Die Bezirksregierung geht davon aus, dass durch den § 2 FSHG die Eisenbahnstrecken des Stadtgebietes automatisch in den Zuständigkeitsbereich der hiesigen Feuerwehr fallen.

Eine weitere verkehrstechnische Einrichtung ist die U-Bahn.
Die Gesamtlänge der U-Bahn im Stadtgebiet beträgt 4,14 km.
Zur ihr gehören 6 Bahnhöfe im Abstand zwischen 450 und 700 Meter sowie 5 Notausstiege.
Durch ihre unterirdische Lage ergeben sich für die Gefahrenabwehr einige Besonderheiten. Dazu gehören die langen Flucht- und Rettungswege und die fehlende Löschwasserversorgung in den Strecken. Es werden besondere Transportgeräte für feuerwehrtechnische Ausrüstungen zur Brandbekämpfung und für die technische Hilfeleistung benötigt. Darüber hinaus ist ein Tunnelbrand sehr personalintensiv und nur mit dem Einsatz von Langzeitatemschutzgeräten möglich.
Für die Kommunikation ist ein besonderes Tunnelfunksystem installiert worden.

Als Wasserstraße durchquert der Rhein-Herne-Kanal das Stadtgebiet. Die Beladung der Schiffe ist höchst unterschiedlich. Es gehören dazu Tankschiffe mit Gefahrgut ebenso wie Frachtschiffe mit Schrott oder Kohle.
Zu dem 10,1 km langen Kanalabschnitt gehören auch zwei Schleusenanlagen. Für Einsätze auf diesem Gewässer stehen der Feuerwehr Herne keine geeigneten Einsatzmittel zur Verfügung. Allerdings sind Einsätze mit Schiffen relativ selten. Bei Unglücken mit ihnen sind jedoch aufgrund der großen Mengen an Beladung hohe Risiken für die Umgebung und Einsatzkräfte zu erwarten.
Der Rhein-Herne-Kanal bedarf eines überregionalen Einsatzkonzeptes, welches unter Federführung der beteiligten Bezirksregierungen und der anliegenden Städte und Kreise erstellt werden sollte.